Die Namenstag des heiligen Martin eröffnet die Reihe der winterlichen Brauchtumstage. Heute erinnern die Laternenumzüge zum Martinstag an die guten Taten des Heiligen. An den Barbaratag knüpft sich ein alter Orakelbrauch: Vor Sonnenaufgang schneidet man Zweige von Obstbäumen – oft Kirschzweige – und stellt sie ins Wasser, in die Nähe des Ofens. Wenn sie zu Weihnachten blühen, bringen sie Glück – zum Beispiel für die Ernte, aber auch in der Liebe. Der Nikolaustag ist vor allem in Deutschland und Holland ein wichtiges Datum, in Frankreich und England wird er dagegen kaum gefeiert. In Holland begehen viele Familien den "Paketabend" am 5. Dezember: Dann reitet der Heilige Nikolaus über die Dächer und wirft die Gaben durch den Schornstein. In Deutschland stellen die Kinder in der Nacht auf den 6. Dezember geputzte Schuhe vor die Tür. Vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders war der Luziatag zugleich der Mittwintertag. Luzia bedeutet "die Lichtvolle". Ihren Festtag feiern die Schweden mit dem Brauch der "Luzienbraut": Ein junges Mädchen mit einem Lichterkranz auf dem Kopf bringt der Familie frühmorgens Kaffee und Gebäck. Die Nächte der Mittwinterzeit hatten vor allem auf dem Land eine besondere Bedeutung. Sie wurden "Rauhnächte" genannt, was wohl auf den Brauch hindeutet, in diesen Nächten Ställe und Wohnräume mit duftenden Kräutern oder sogar Weihrauch auszuräuchern, um Unheil und böse Geister zu vertreiben. Der Silvesterabend ist traditionell die beste Zeit, um dem Orakel eine Frage für das kommende Jahr zu stellen. An Neujahr wünscht man sich mit einer Vielzahl von Symbolen Glück – darunter ist auch der Schornsteinfeger, der traditionell am 1. Januar an die Türen klopfte, um ein Trinkgeld zu erhalten. In den christlich-orthodoxen Kirchen wird bis heute am 6. Januar die Geburt von Jesus Christus gefeiert, nicht am 24./25. Dezember. Es ist Epiphanias, das Fest der Erscheinung des Herrn – nach alter Auffassung zugleich das Tauffest Jesu, auch "Großneujahr" genannt. Erst seit dem Mittelalter feiert man an diesem Tag die Ankunft der Heiligen Drei Könige in Bethlehem mit Umzügen und Sternsingen. Heute werden die Weihnachtsbäume meist spätestens am Dreikönigstag hinausgeworfen – früher war die Weihnachtszeit erst an Mariä Lichtmess beendet. Dieser offizielle Abschluss der Festzeit geht auf den alttestamentarischen Ritus der "Darstellung im Tempel" zurück: 40 Tage nach der Geburt Jesu ging Maria in den Tempel, um sich zu reinigen und ihr Kind den Priestern zu zeigen.